Bluthochdruck in Tschechien: ab wann er gefährlich ist, warum man ihn nicht spürt und wie er behandelt wird
In Tschechien hat etwa die Hälfte der Männer mittleren Alters Bluthochdruck. Die meisten wissen lange nichts davon, weil nichts wehtut.
Bluthochdruck (Hypertonie) bedeutet, dass wiederholt gemessene Werte 140/90 mmHg oder mehr erreichen. Eine einzelne Messung in der Praxis ergibt noch keine Diagnose; entscheidend sind wiederholte Werte, idealerweise ergänzt durch Messungen zu Hause. Beschwerden treten meist erst nach Jahren auf. Deshalb wusste in einer tschechischen Bevölkerungsstudie etwa ein Viertel der Männer und mehr als ein Fünftel der Frauen mit Hypertonie nichts von ihrer Erkrankung. Die Behandlung beginnt mit einer Umstellung des Lebensstils und wird bei den meisten Menschen mit Medikamenten fortgesetzt. Das lohnt sich: Jede Senkung des systolischen Drucks um 10 mmHg bedeutet etwa ein Viertel weniger Schlaganfälle.
ESH-Klassifikation 2023
Ab welchen Werten der Blutdruck zu hoch ist
Der Grenzwert liegt bei 140/90 mmHg. Es genügt, wenn einer der beiden Werte ihn wiederholt überschreitet.
Die Europäische Hypertoniegesellschaft (ESH) teilt die in Millimeter Quecksilbersäule gemessenen Werte in sechs Bereiche ein. Denselben Grenzwert von 140/90 verwenden auch die Tschechische Gesellschaft für Hypertonie (ČSH) und Einrichtungen wie das IKEM.
- Optimal: unter 120/80
- Normal: 120–129 und/oder 80–84
- Hochnormal: 130–139 und/oder 85–89
- Hypertonie Grad 1: 140–159 und/oder 90–99
- Hypertonie Grad 2: 160–179 und/oder 100–109
- Hypertonie Grad 3: 180 und mehr und/oder 110 und mehr
Sie haben 140/90 gemessen? Das ist die Untergrenze von Grad 1: kein Grund zur Panik, aber ein Grund, weiter zu messen. Ein höherer Wert in der Praxis kann auch eine „Weißkittelhypertonie“ sein. Deshalb möchte die Ärztin oder der Arzt Ihre Werte von zu Hause sehen. Ihre Werte können Sie mit unserem Blutdruckrechner einordnen.
Bereiche nach der Zusammenfassung der ESH-Leitlinie 2023; Grenzwert 140/90 auch nach IKEM und den ČSH-Empfehlungen 2022.
Eine stille Krankheit
Symptome bei Bluthochdruck: warum die meisten Menschen nichts spüren
Gefäße und Herz passen sich jahrelang an den erhöhten Druck an. Wenn sich Beschwerden zeigen, ist der Blutdruck meist schon länger hoch.
Wenn sich Bluthochdruck bemerkbar macht, dann am häufigsten so:
- Kopfschmerzen, typischerweise morgens und im Hinterkopf
- Schwindel, Ohrensausen oder Ohrenklingeln
- Herzklopfen und Atemnot bei Belastung
- innere Unruhe, Nervosität, schlechterer Schlaf
- Müdigkeit, die mehrere Tage anhält
Keines dieser Symptome bestätigt oder schließt eine Hypertonie aus. Viele Menschen mit einem Blutdruck von 160/100 fühlen sich wohl. Deshalb ist es sinnvoll zu messen, auch wenn Sie keine Beschwerden haben.
Symptome nach NZIP (ÚZIS); Schwelle für Notfallversorgung nach WHO, September 2025.
Primäre und sekundäre Hypertonie
Was Bluthochdruck verursacht
In etwa 90 % der Fälle gibt es nicht die eine Ursache, sondern ein Zusammenspiel aus Veranlagung und Lebensstil.
Diese Form heißt primäre (essenzielle) Hypertonie. Die übrigen rund 10 % sind sekundäre Hypertonie, hinter der eine andere Erkrankung steckt: eine Nierenerkrankung, eine hormonelle Störung (etwa ein Überschuss an Aldosteron), Schlafapnoe oder bestimmte Medikamente. Bei jungen Menschen mit hohem Blutdruck oder wenn der Druck nicht auf die Behandlung anspricht, sucht die Ärztin oder der Arzt gezielt nach einer sekundären Ursache.
Bei der primären Hypertonie sind es immer wieder dieselben Auslöser:
- Salz. Laut SZÚ (Staatliches Gesundheitsinstitut Tschechiens) essen Frauen in Tschechien etwa 10 g und Männer 14–15 g Salz pro Tag; die WHO empfiehlt weniger als 5 g.
- Übergewicht und zu wenig Bewegung, oft zusammen mit Diabetes oder erhöhtem Cholesterin.
- Alkohol und Rauchen.
- Dauerstress und zu wenig Schlaf. Nach Prof. Miroslav Souček vom St.-Anna-Universitätsklinikum in Brünn gehört chronischer Stress zu den wichtigsten Treibern der Hypertonie.
Außerdem kommt Bluthochdruck selten allein. Wenn auch Ihr Blutzucker erhöht ist, lesen Sie unseren Artikel über Diabetes als stille Krankheit.
Anteil primärer und sekundärer Formen nach NZIP; Salz nach SZÚ (2022) und WHO (2026); Aussage von Prof. Souček nach der Pressemitteilung der VZP.
Daten der VZP und tschechischer Studien
Bluthochdruck in Tschechien in Zahlen
In Tschechien hat etwa jeder zweite Mann zwischen 25 und 64 Jahren Bluthochdruck. Gut behandelt ist aber nur eine Minderheit der Betroffenen.
- 41,5 % der Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren hatten in der Erhebung 2016/17 eine Hypertonie (Männer 50,6 %, Frauen 33,5 %).
- Gut eingestellt war der Blutdruck nur bei 29,8 % der Männer und 37,0 % der Frauen mit Hypertonie. Bei denjenigen, die Medikamente einnahmen, waren es 49–58 %.
- 1.311.204 Versicherte der VZP, der größten gesetzlichen Krankenkasse Tschechiens, wurden 2025 wegen Hypertonie behandelt, rund 200.000 mehr als zehn Jahre zuvor.
- 24.268 neue Patientinnen und Patienten kamen 2025 hinzu; unter den Behandelten sind 3.886 Kinder unter 18 Jahren, 281 mehr als im Vorjahr.
- 4,56 Mrd. CZK kostete die VZP die Behandlung der Hypertonie im Jahr 2025.
Zum Vergleich: 1985 hatten weniger als 4 % der Betroffenen ihren Blutdruck unter Kontrolle. Der Fortschritt ist groß, doch laut VZP erreichen viele Patientinnen und Patienten die Zielwerte unter 140/90 weiterhin nicht, nehmen ihre Medikamente nicht regelmäßig ein oder beginnen die Behandlung zu spät.
Quellen: Cífková et al., PLoS One 2020, Cífková et al., Front Cardiovasc Med 2022 und VZP ČR, 13.05.2026.
Diagnose
Wie Sie Ihren Blutdruck überprüfen und was die Ärztin oder der Arzt macht
Das verlässlichste Bild liefert eine Woche Heimmessung nach einem einfachen Ablauf.
- Messen Sie 7 Tage lang (mindestens 3), morgens und abends, im Sitzen nach 5 Minuten Ruhe.
- Messen Sie jedes Mal zweimal im Abstand von 1–2 Minuten, mit der Manschette am unbekleideten Oberarm auf Herzhöhe.
- Streichen Sie die Werte des ersten Tages, bilden Sie aus den übrigen den Durchschnitt und nehmen Sie die Aufzeichnungen mit in die Praxis.
Die Hausärztin oder der Hausarzt misst Ihren Blutdruck auch bei der Vorsorgeuntersuchung, auf die Sie in der tschechischen gesetzlichen Krankenversicherung ab 18 Jahren alle zwei Jahre Anspruch haben. Bei Verdacht auf Hypertonie folgen meist Blutuntersuchungen (Nieren, Mineralstoffe, Blutzucker, Cholesterin), eine Urinuntersuchung und ein EKG. Ziel ist es herauszufinden, ob der Blutdruck bereits Organe geschädigt hat und ob eine sekundäre Ursache vorliegt.
Protokoll der Heimmessung nach ESH, zitiert in J Clin Hypertens 2022; Vorsorge nach NZIP (Januar 2026) und VZP.
Lebensstil und Medikamente
Behandlung der Hypertonie: Lebensstil, Medikamente und regelmäßige Kontrollen
Bei hochnormalem Blutdruck und leichter Hypertonie beginnt man mit dem Lebensstil. Die meisten Menschen mit Hypertonie brauchen am Ende aber auch Medikamente.
Die Grundlage bilden weniger Salz (unter 5 g täglich), 150–300 Minuten Bewegung pro Woche mit mittlerer Intensität, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, weniger Alkohol und ein Rauchstopp. Die Medikamente wählt die Ärztin oder der Arzt nach Alter und weiteren Erkrankungen aus. Am häufigsten sind ACE-Hemmer oder Sartane, Calciumkanalblocker und Diuretika, oft kombiniert in einer einzigen Tablette.
Mit dem ersten Rezept ist die Behandlung nicht abgeschlossen. Die Dosis wird anhand Ihrer Aufzeichnungen von zu Hause angepasst, und die Medikamente werden nicht abgesetzt, wenn sich der Blutdruck bessert, denn er hat sich ja gerade durch sie gebessert. Der Aufwand lohnt sich: Eine Metaanalyse von 123 Studien zeigte, dass jede Senkung des systolischen Drucks um 10 mmHg das Risiko für Schlaganfall um 27 %, für Herzinsuffizienz um 28 % und die Gesamtsterblichkeit um 13 % senkt.
Die Kontrolle der Heimwerte, der Blutwerte oder von Nebenwirkungen lässt sich oft auch aus der Ferne erledigen. Was eine Online-Konsultation leisten kann und wann ein Praxisbesuch nötig ist, erklären wir im Artikel was ein Arzt online leisten kann.
Lebensstilmaßnahmen nach WHO; Behandlungseffekt nach Ettehad et al., Lancet 2016.
Global Health Tschechien
Blutdruck und ärztliche Betreuung
Messen Sie Ihren Blutdruck, notieren Sie die Werte und besprechen Sie sie mit einer Ärztin oder einem Arzt.
- Blutdruckrechner und -tabelle
- Was ein Arzt online leisten kann
- Diabetes: Symptome, Behandlung und Vorbeugung
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Zu Hause höhere Werte gemessen?
Eine Ärztin oder ein Arzt von Global Health sieht sich Ihre Messwerte an, empfiehlt Untersuchungen und bespricht das weitere Vorgehen mit Ihnen. Auf Tschechisch, Englisch und in weiteren Sprachen.
Fachquellen
Quellen dieses Artikels
Daten und Empfehlungen geprüft am 17. September 2026.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Zielwerte und Behandlung legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Häufige Fragen
Bluthochdruck
Ist ein Blutdruck von 140/90 schon zu hoch?
Ja, wenn er wiederholt auftritt. Das ist die Untergrenze der Hypertonie Grad 1. Ein einzelner Wert reicht nicht; messen Sie Ihren Blutdruck eine Woche lang zu Hause und besprechen Sie die Ergebnisse mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann hoher Blutdruck von Nervosität kommen?
Stress erhöht den Blutdruck kurzfristig, und Dauerstress gehört zu den Risikofaktoren. Wenn Ihre Werte auch in Ruhe zu Hause hoch sind, liegt es nicht nur an den Nerven, und es ist Zeit für eine Untersuchung.
Ist Bluthochdruck heilbar?
Eine primäre Hypertonie lässt sich meist nur dauerhaft mit Lebensstil und Medikamenten unter Kontrolle halten. Eine sekundäre Hypertonie bildet sich manchmal zurück, wenn ihre Ursache behandelt wird.
Wann sollte ich bei hohem Blutdruck den Rettungsdienst rufen?
Bei Werten um 180/120 und höher zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot, Sprachstörungen, Schwäche in Arm oder Bein oder Sehverschlechterung. Rufen Sie 155 oder 112 an.




